Mit der Versendung eines Fragebogens an die Grundstückseigentümer im Gemeindegebiet ist der Gemeindeentwicklungsprozess in Rohr in die nächste Runde gestartet. Unter dem Dach der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) Donau-Laber, einem Zusammenschluss von neun Gemeinden zur interkommunalen Zusammenarbeit, werden am 15.10.2018 die Grundstückseigentümer mit einem einheitlichen Brief angeschrieben. Der Markt Rohr i.NB führt die Befragung als erste Kommune durch. Bürgermeister Andreas Rumpel erklärt hierzu: „Unter Herausfilterung bestimmter Paramater ist es unser großes Ziel, drohenden Leerständen und Baulücken, insbesondere in den Ortskernen, frühmöglich und künftig durch ein Gemeindeentwicklungskonzept entgegenzuwirken“. So werden die Eigentümer (teil)leerstehender Häuser, unbebauter Grundstücke, aufgegebener Geschäfte und Eigentümer ab einem Lebensalter von 75 Jahren für diese repräsentative Umfrage angeschrieben. Nach der Auswertung wird sich ein Ortsspaziergang mit den zuständigen Fachstellen und dem beauftragten Fachbüro im Hauptort und in den Ortsteilen anschließen, wo in einem Bürgerbeteiligungsprozess das Umfrageergebnis und die nächsten Schritte zur Ortsentwicklung vorgestellt werden.
Drohenden Leerständen entgegenwirken
Für den Markt Rohr i.NB wird es in der Zukunft immer wichtiger werden, rechtzeitig zu erkennen, wo die Übernahme einer Immobilie im Gemeindegebiet geregelt ist und ebenso, wo künftig ein verlassener Leerstand droht, erklärt der Bürgermeister. Das ist eine hinzugekommene Hauptaufgabe im Amt eines Bürgermeisters und sie ist deshalb so wichtig, weil die Kommunen nicht nur Baugebiete am Ortsrand entwickeln sollen, sondern unter einer vernünftigen Flächenbeplanung auch Baulücken und Leerstände in den Ortszentren schließen müssen. „Wir müssen also im ländlichen Bereich dem Innerortsterben mit Weitsicht und geeigneten Mitteln entgegentreten“, informiert der Bürgermeister. Hierzu brauchen wir das Instrument eines Gemeindeentwicklungsplanes. Dabei müsse man den Focus darauf richten, Leerstände durch gezielte Nachverdichtung und Hof- bzw. Immobilienübernahmen zu verhindern. Die Eigentümerbefragung ist hierzu ein erstes, wichtiges Instrument, mit dem sich Rohr i.NB in die Vorzeigegemeinden in Bayern einreihen darf.
Ein offener Blick zu Geschäftsschließungen
Die am kommenden Montag anlaufende Eigentümerbefragung ist auch ein wichtiges Instrument für bevorstehende oder bereits erfolgte Schließung von Geschäften. Aus diesem Grund geht man auch in Rohr mit offenen Augen durch die Orte, um zu sehen, wo Geschäfte aufgegeben wurden oder künftige Schließungen und Leerstände drohen. In der Hektik des Alltags und der gewohnten Umgebung wird das oft übersehen, sensibilisiert der Bürgermeister das Thema. Der klassische Dorfladen gehört in vielen Orten der Vergangenheit an und auch im Hauptort haben zum Beispiel in den vergangenen Jahren Einzelhandelsgeschäfte wie der Gemischtwarenhändler Salleck oder das Schuhgeschäft Vögerl aus verschiedenen Gründen ihren Betrieb aufgegeben. Gerade für die älteren Mitbürger in den Gemeinden, die nicht mobil sind, entstehen so Probleme durch Versorgungslücken. Ganz klar sind der Onlinehandel und die großen Einkaufzentren einerseits Chance für ein breites Einkaufsangebot, sie sind jedoch auch der große Mitbewerber der heimischen Wirtschaft und des Handels. In Rohr dürfe man noch nicht jammern, denn die Grundversorgung sei auf einem erstaunlichen Niveau. Als strategisch richtige Entscheidung hat sich vor mehreren Jahren bereits die Ansiedelung eines Supermarktes im Innerort erwiesen. Hier wurde frühzeitig erkannt, dass durch einen Discounter am Ortsrand der Hauptort stark ausbluten würde. So aber profitiert der Supermarkt und das Umfeld von Einkäufern der umliegenden Praxen auf dem Gesundheitssektor, der Schule und der Kinderkrippe und ist darüber hinaus ein gern genutzter Treffpunkt „auf einen Ratsch“ für Jung und Alt.
Dr. Christian Thurmaier vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Niederbayern, der den Entwicklungsprozess in der ILE Donau-Laber in Rohr begleitet, hebt die Wichtigkeit der Eigentümerbefragung hervor. „Beim ALE wird den Innenentwicklungskonzepten der Gemeinden ein hoher Stellenwert eingeräumt. Aus diesem Grund fördern wir auch das Konzept in Rohr mit 75 Prozent öffentlichen Mitteln“. Mit dem Kauf des „Röllbauer“-Anwesens hat Rohr i.NB einen wichtigen Schritt zur Belebung des Ortskerns rund um das Kloster und damit den entscheidenden Weg zur Innenentwicklung vorgenommen, sind sich Dr. Thurmaier und Rumpel einig.
Bildbeschreibung:
Dr. Christian Thurmaier (ALE) und Bürgermeister Andreas Rumpel vor dem „Röllbauer“-Anwesen. Der Leerstand ist ein Positivbeispiel, wo der Markt Rohr i.NB eine Chance zur Zentrumsentwicklung nutzt und die Liegenschaft erworben hat.
Foto: Rumpel, Markt Rohr i.NB