Rohr, 27.07.21 –  Der Markt Rohr i.NB hat dem Landschaftspflegeverband Kelheim VöF.e.V. für das Projekt derzeit zwei Flächen zur Verfügung gestellt. Eine dieser Flächen ist selbst für eine Eh-da-Fläche recht klein. „Die Fläche hat eine sogenannte Trittsteinfunktion“, erläutert die Umsetzungsbegleitung für Eh-da-Flächen, Michaela Powolny. Wenn wir Menschen reisen, müssen wir auch manchmal tanken. Und genau, wie wir Autobahnraststätten nutzen, brauchen Insekten solche kleinen Trittsteine, um Nahrung und Kraft für den weiteren Weg zu sammeln“. Solche Streifen bieten darüber hinaus auch eine gewisse Schutzfunktion. Mehrere kleine Flächen hintereinander ersetzen zwar kein zusammenhängendes Gebiet, können jedoch unterstützend für das Überleben von Insekten durchaus eine Rolle spielen. Die Möglichkeit, von einer Fläche zu einer anderen Fläche zu wandern, ist für Insekten vor allem auf lange Sicht wichtig: Dadurch kann ein genetischer Austausch stattfinden. Vereinfacht gesagt: je mehr Gene sich austauschen können, umso besser können sich Insekten anpassen und in einem bestimmten Lebensraum etablieren. Gerade diese Anpassungsfähigkeit ist Grundlage für das langfristige Überleben einer Art an einem Standort. Wichtig ist auch die Etablierung von heimischen Pflanzenarten auf den Flächen. Auch diese haben sich an die Gegebenheiten vor Ort angepasst und sind auf ihre Bestäuber spezialisiert. Sei es nun die Kelchtiefe für eine bestimmte Rüssellänge oder die Blütenblattbreite, die Farbe oder die Art und der Duft des Nektars. Die Anpassungen können vielfältig sein und beziehen sichoft nur auf eine Insektenfamilie, manchmal nur auf eine einzige Insektenart. Daher ist es sehr wichtig, dass auch auf kleinen Flächen nur heimisches Saatgut, am Besten aus benachbarten Flächen, zum Einsatz kommt. Auf der Fläche in Rohr wurde nun Mähgut aus einer benachbarten artenreichen Fläche aufgebracht. Aus diesem Mähgut können Samen auf die Fläche abfallen und sich bei richtiger Pflege etablieren. Anders als bei Rasen, braucht so ein Verfahren allerdings Zeit, denn Wildkräuter entwickeln sich nur langsam und müssen sich gegenüber schnellwachsenden Konkurrenten behaupten. Mit der richtigen Pflege wird sich die Fläche aber bestimmt gut entwickeln und ein weiterer kleiner Baustein imVerbund wertvoller Flächen sein.“ Auch Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer freut sich über den Eh-da-Start in Rohr: „Es gibt noch viel zu tun, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. Deshalb freuen wir uns, dass wir unseren Beitrag leisten können. Wir haben ganz in der Nähe der neuen Ehda-Fläche auch eine größere Ausgleichsfläche, da ist der Trittstein eine gute Ergänzung“. Eh-da Flächen sind kommunale Flächen die „eh da“ sind und weder landwirtschaftlich noch naturschutzfachlich genutzt werden. Das Projekt wird vom Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern (ALE), dem Landkreis Kelheim und der Regierung Niederbayern gefördert, teilt dazu Michaela Powolny vom Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e.V., Biologie/Projektmanagerin Eh-da-Flächen, dazu abschließend mit.

Foto: Kerstin Daffner